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Elbrus (6542 m) Tagebuch 2016

15.05.2016

Holzgerlingen - Mineralny Vody - Terskol (2200 m)

Um 13:00 Uhr fahre ich zunächst mit der S-Bahn nach Stuttgart und von dort mit ICE nach Frankfurt. Pünktlich startet der Flug nach Moskau, wo wir nach drei Stunden Flug landen. Allerdings sind die knapp fünf Stunden Aufenthalt in der Wartehalle am Flughafen zäh und an Schlafen ist auch nicht zu denken. Nach und nach treffen in dieser Zeit die restlichen Mitglieder unserer Gruppe ein und so nutzen wir die Zeit um uns kennenzulernen. Gemeinsam fliegen wir um 7:45 Uhr nach Mieralny Vody, wo wir zwei Stunden später landen. Hier gibt es zunächst etwas Verwirrung, da dort niemand mit einem Schild mit der Aufschrift unseres Veranstalters zu sehen ist. Vor dem Flughafen hat nur eine Person ein Schild und der Aufschrift "Bergführer" in der Hand. Zunächst sind wir uns unsicher, ob wir damit gemeint sind. Nach gut einer viertel Stunde sprechen wir in an und tatsächlich soll er uns abholen und nach Terskol bringen. In einem achtsitzigen Kleinbus starten wir zu dem gut 190 km entfernten Ortschaft Terskol. Aufgrund des starken Verkehrsaufkommens benötigen wir für diese Distanz gut vier Stunden.
Über das kaukasische Vorland und das bewaldete Baksantal erreichen wir am Nachmittag unser Hotel in Terskol. Schon auf der Fahrt war uns klar, dass wie in unserem Zielgebiet vermutlich kein gutes Wetter haben werden, da die gesamte Gebirgskette vor uns wolkenverhangen ist. Tatsächlich sind dann die umliegenden Berge von unserem Hotel aus nicht zu sehen. Hier werden wir von unserem Bergführer Alex empfangen und nach einer kurzen Vorstellungsrunde besprechen wir das Programm für den morgigen Tag. Wie bereits in der Tourenausschreibung angekündigt steht morgen eine Akklimatisationstour auf ca. 4000 m Höhe an.

16.05. 2016

Akklimatisationstour zur ehemaligen Prijut Odinnadzati am Elbrus (4060 m)

Wir frühstücken um 7:30 Uhr und fahren im Anschluss mit einem Kleinbus zur Talstation der Elbrus-Seilbahn. Dort müssen wir allerdings noch gut eine halbe Stunde warten, bis die erste Gondel fährt. In der Zwischenzeit fängt es intensiv zu regnen an und ich ziehe mir schon mal prophylaktisch die Goretexjacke und Hose an. Bei der Ankunft an der Bergstation „Mir“ auf 3500 m Höhe schneit es dann kräftig. In den Räumlichkeiten der Bergstation bereiten wir uns für den weiteren Aufstieg vor. Da heißt es Schotten dicht und los! Zunächst geht es in der Ratrac Spur hinauf zum "Gara-baschi-Rücken" in 3750 m Höhe. Hier befinden sich auch die "Botschkis", die bekannten "Rundtonnenhütten“, die jedoch schon etwas in die Jahre gekommen sind. Ganz in der Nähe befinden sich auch unsere neueren "Berghütten". Es handelt sich um stabile metallverkleidete Wohncontainer, die innen mit Holz vertäfelt sind und jeweils Platz für 8 Personen bieten. Gleich nach der Ankunft bekommen wir von unserer Köchin ein Mittagessen im großen Küchencontainer serviert. Im Anschluss geht es weiter hinauf zur ehemaligen Prijut Odinnadzati (Hütte der Elf) in 4060 Meter Höhe. Das Wetter hat sich zwischenzeitlich weiter verschlechtert und wir suchen an der verschlossenen Hütte, in einem windgeschützten Bereich, Schutz vor dem eiskalten Wind. Die Kollegen haben ihre liebe Mühe die Felle von den Skiern zu entfernen und sie zu verstauen. Da ich zu Fuß unterwegs bin, habe ich damit keine Probleme, allerdings ist es für mich nahezu unmöglich den Weg hinunter zur Bergstation „Mir“ zu finden. Die Sicht ist minimal, und da ich das Gelände zuvor noch nie gesehen habe, ist die Orientierung schwierig. Es gelingt mir schließlich doch, mich im Zickzackkurs nach unten zu tasten.
Total durchnässt stehen wir schließlich an der Bergstation der Seilbahn und sind froh, um 15:00 Uhr wieder in unserem Hotel zu sein. Die schwierigen Wetterbedingungen waren heute sicher nicht der optimale Auftakt, aber das gute Schaschlik Essen am Abend hebt die Stimmung wieder. Etwas müde beenden wir den Abend gegen 21:00 Uhr.

17.05.2016

Akklimatisationstour zu den Pastuchow-Felsen am Elbrus (4700 m)

Gegen 6:00 Uhr stehe ich auf und packe die Bergausrüstung für die nächsten Tage auf der Hütte in 3750 m Höhe zusammen. Um 9:30 Uhr fahren wir mit der Elbrus-Seilbahn und hinauf zu Bergstation „Mir“. Von dort geht es zunächst mit dem Ratrac bis zu unserer Hütte. Hier verstauen wir zunächst unsere Ausrüstung und lassen uns im Anschluss zur Prijut Odinnadzati (Hütte der Elf) hinauffahren. Vor dort geht unser Aufstieg weiter zu den "Pastuchow-Felsen" hinauf. Unser heutiges Ziel ist das obere Ende der Pastuchow-Felsen auf rund 4700 m Höhe. Unser Bergführer Alex ordert mit einen Scooter, mit dem ich in einem atemberaubenden Tempo hinunter zu Hütte gefahren werde. Das Wetter ist heute gut und so sind die umliegenden Berge und auch unsere Route gut zu sehen. Gegen 15:00 Uhr sind wir zurück in der Hütte und werden umgehend mit einem Essen verwöhnt. Im Anschluss beschäftigen wir uns eingehend mit den Wetterprognosen für die nächsten beiden Tage und sind uns unsicher, ob übermorgen ein guter Gipfeltag ist. Wir wollen morgen Früh über unseren weiteren Plan entscheiden.

18.05.2016

Akklimatisationstour bis oberhalb der Pastuchow-Felsen (5100 m)

Wir frühstücken um 8:00 Uhr und nach Durchsicht des aktuellen Wetterberichts entscheiden wir, den Gipfeltag um einen Tag zu verschieben und heute nachmals eine Akklimatisationstour zu unternehmen. Wir bestellen den Ratrac auf 11:00 Uhr und fahren mit ihm bis zu den Pastuchow-Felsen in 4500 m Höhe. Von dort steigen wir zunächst bis auf 4700 m Höhe hinauf, wo die Skitourengänger die Skier deponieren. Gemeinsam geht es dann mit Steigeisen weiter nach oben. An unserem Zielpunkt in 5100 m Höhe steht ein defekter Ratrac, der hier oben vermutlich nicht mehr repariert werden kann. So dient er als Orientierungspunkt für die Bergsteiger.
Nachdem vor zwei Wochen ein Bergsteigerwettbewerb durchgeführt wurde, ist die Route ohnehin komplett mit Markierungsfahnen ausgeflaggt und die Orientierung sollte zum derzeitigen Zeitpunkt unproblematisch sein. Wie am Vortag lasse ich mich unterhalb der Pastuchow-Felsen wieder von einem Scouter abholen. Heute ist das Wetter wechselhaft, aber es gibt keinen nennenswerten Schneefall. Gegen 16:30 Uhr sind wir wieder in unserer Hütte.

19.05.2016

Ruhetag auf der Hütte (3750 m)

Bereits in der Nacht hat es zu schneien angefangen und ein starker Wind hat den Schnee kräftig verfrachtet. Selbst der Weg von unserer Unterkunft zum Küchencontainer war nicht möglich zu gehen, ohne sich die Schuhe mit Schnee zu füllen. Unter diesen Gegebenheiten war es richtig, den Gipfeltag zu verlegen. Bis Mittag ist keinerlei Wetterbesserung in Sicht und wir packen in aller Ruhe unser Sachen für den morgigen Gipfeltag zusammen. Am späten Nachmittag und Abend sind dann die ersten Auflockerungen sichtbar und wir sind zuversichtlich, dass sich das Wetter bis morgen bessert.

20.05.2016

Gipfeltag Elbrus (5642 m)

Um 1:30 Uhr werden wir geweckt und um 2:00 Uhr gibt es Frühstück. Nach dem Gang auf die einzige Toilette können wir dann kurz nach 2:30 Uhr mit dem Ratrac starten. Die Kosten von 600 Euro werden unter den Bergsteigern aufgeteilt. Nach einer halben Stunde Fahrzeit sind wir oberhalb der Patuchow-Felsen (4700 m) und steigen ab dort mit den Steigeisen weiter nach oben. Wir haben in dieser Nacht Vollmond und so ist es nicht wirklich dunkel. Eineinhalb Stunden später wird es bereits hell und es ist ein fantastisches Licht. Selbst der Schatten es Ostgipfel ist im Morgendunst kurzzeitig zu sehen. Die Querung zum Sattel zwischen West- und Ostgipfel ist auf Grund der starken Schneeverfrachtung etwas mühsam aber im Sattel (5300 m) sind wir dann in der Sonne und machen die erste Pause. Der weitere Aufstieg in dem nun sonnenbeschienenen Hang ist mühsam und im oberen Bereich sind ca. 200 m Fixseil installiert worden. In diesem steilen und abschüssigen Abschnitt ereignen sich nahezu jährlich tödliche Abstürze und daher ist diese Sicherheitsmaßnahme sicherlich auch gerechtfertigt. Hier kommen sich die auf- und absteigenden Bergsteiger oftmals ins Gehege und es kann durchaus zu längeren Wartezeiten kommen. Schließlich erreichen wir das Gipfelplateau und nach einer kurzen Pause geht es auf diesem in Richtung der kleinen weißen Pyramide, welches der Hauptgipfel ist. Schon von Weitem sind die Bergsteiger auf dieser Erhebung zu sehen und je näherer wir kommen, umso deutlicher sind sie auch zu hören. Der Eine oder Andere aus unserer Gruppe muss jetzt die letzten Reserven mobilisieren, um schließlich auf dem Gipfel zu stehen. Um 9:45 Uhr ist es dann aber geschafft - gemeinsam stehen wir bei einer fantastischen Fernsicht am Gipfel. Ich bin überwältigt auf dem höchsten Gipfel Europas zu stehen und kann es kaum fassen, dass wir das optimale Gipfelwetter haben. Nach den obligatorischen Gipfelbildern beginnen wir mit dem Abstieg. An den Fixseilen kommt es zwischenzeitlich schon zu längeren Wartezeiten, aber wir kommen doch noch zügig hinunter zum Sattel zwischen West- und Ostgipfel. Hier offenbaren sich dann bei mehreren Teilnehmern doch gewisse Konditionsprobleme, die aber noch innerhalb des vertretbaren sind. Wir drosseln beim weiteren Abstieg das Tempo, damit wir als Gruppe geschlossen unterwegs sind. Am Skidepot auf 4700 m Höhen trennen sich dann wieder mein Weg mit denen der Skifahrer. Ich lasse mich wieder von einem Scouter unterhalb der Patuchow-Felsen abholen und bin im Eiltempo gegen 14:00 Uhr zurück in unserer Hütte. Nach einem Mittagessen werden wir wieder von einem Ratrac abgeholt und zusammen mit unserem Gepäck zur Bergstation „Mir“ gebracht. Heute fahren wir mit der neuen Seilbahn, die parallel zu alten verläuft, ins Tal hinunter und sind am späten Nachmittag im Hotel in Terskol. Am Abend gönnen wir uns nochmals ein Schaschlik Essen mit dem begehrten Elbrus Bier. Es ist ein toller Abschluss und wir sind glücklich und zufrieden, dass alles wie geplant geklappt hat.

21.05.2016

Rückfahrt nach Mineralny Vody - Flug nach Moskau und Frankfurt

Um 6:00 Uhr starten wir mit einem Kleinbus in Richtung Mineralny Vody. Bis auf eine Polizeikontrolle verläuft die Fahrt entspannt und wir sind mit genügendem Vorlauf am Flughafen. Der Flug nach Moskau sowie nach Frankfurt ist pünktlich und so erreiche ich meinen ICE nach Stuttgart entspannt. Allerdings ist auf der Strecke ein Zug liegen geblieben und so müssen wir eine andere Strecke wählen, was zu einer Verspätung von 45 Minuten führt. Schlussendlich bin ich nach 1:00 Uhr am nächsten Morgen zu Hause.

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