Petersenspitze Nordwand und Bliggspitze 2013

21.07.2013

Anreise und Erkundung

Ich starte um 3 Uhr von Holzgerlingen in Richtung Pitztal. Gegen 7 Uhr bin ich auf dem Parkplatz der Gletscherexpress Bahn in Mittelberg (1740 m) und stelle dort mein Auto ab. Der Aufstieg zum Taschachhaus wurde seit meinem letzten Besuch aufgrund eines Felssturzes verlegt und führt jetzt im ehemaligen Gletscherbecken und über die Randmoräne zur Hütte. Bei der Ankunft um 9 Uhr werde ich freundlich von den Wirtsleuten Barbara Klingeis und Christoph Eder begrüßt. Nach einer kurzen Rast steige ich mich mit den Schneeschuhen an den Füßen in Richtung Blickspitze auf. Für die Jahreszeit hat es noch sehr viel Schnee und ich folge zunächst dem Sexegerten Bach und biegen dann zum vorderen Ölgrubenferner ab. In Höhe des Ferners habe ich plötzlich Probleme mit meinen Schneeschuhen. Offensichtlich habe ich einen Splint verloren, der das bewegliche Gelenk fixiert und ich entscheide mich für den Abstieg. Nach nur wenigen Touren eine solche Panne ist eine Schande!
Vor meinem Standort kann ich zumindest die Hochvernagt-Nordwand gut einsehen, in der eine Aufstiegsspur zu sehen ist. Nach meiner Einschätzung ist die Absicherung in der immensen Schneeauflage allerdings sehr fragwürdig und ich streiche diese Route umgehend von meiner Wunschliste.
Mit dieser wertvollen Information gehe ich zurück zur Hütte, wo ich meine Bergsteigerkollegen von der Ortsgruppe Nagold treffe. Sie haben heute die Petersen Nordwand durchstiegen und gebe mir wertvolle Information zu den vorherrschenden Bedingungen. Eis ist in der Wand nicht anzutreffen, aber das Einrichten von Standplätzen zur Absicherung ist möglich. Meine Entscheidung steht fest, das ist unser Ziel für den morgigen Tag.
Geben 21:00 Uhr, treffen meine Teilnehmer Daniela und Benjamin ein und wir besprechen vor der Hüttenruhe den morgigen Plan.

22.07.2013

Petersen Nordwand (3484 m)

Wir starten um 6:45 Uhr von der Hütte aus mit dem Ziel die Petersen Nordwand (3484 m) zu durchsteigen. Es ist gutes Wetter vorhergesagt, sodass uns die tiefen Wolken am Morgen nicht beunruhigen. Über den Taschachgletscher geht es zunächst bis zum Fuß des Gamsköpfle. Im Gegensatz zum üblichen Aufstieg können wir jetzt direkt durch eine steile Schneerinne bis zum Gletscherband aufsteigen. Dieser Aufstieg war in den zurückliegenden 30 Jahren, in denen ich am Taschachhaus unzählige Ausbildungskurse geleitet habe, nicht möglich gewesen. Auf dem Gletscher geht es bis zu einer etwa 35 Grad steilen Steilstufe problemlos nach oben. Sowohl die Steilstufe als auch die nachfolgende Spaltenzone ist bei der reichlichen Schneeauflage einfach zu überwinden und wir steigen bis zum Bergschund. Hier ist eine Schneebrücke in Wandmitte vorhanden über die wir hinaufsteigen. Meine Bergsteigerkollegen aus der Ortsgruppe Nagold haben am Vortag bereits an den Standplätzen als auch an den Zwischensicherungsplätzen die Schneeauflage bis zum Eis entfernt. Dadurch haben wir heute ein leichtes Spiel und ich kann den Aufstieg sicher gestalten. Um 13:00 Uhr stehen wir bei stark bewölktem Himmel auf der Petersen Spitze und steigen nach einer kurzen Pause umgehend zurück zum Taschachhaus. Gegen 15 Uhr sitzen wir bei Kaffee und Apfelstrudel im Gastraum der Hütte und freuen uns über gelungen Tour.

Für den morgigen Tag ist regnerisches Wetter vorhergesagt und vertagen wir die Entscheidung über das Tourenziel auf das Frühstück.

23.07.2013

Bliggsitze (3454 m)

Der Wecker klingelt und 5:15 Uhr und der Himmel ist wolkenlos. Der optimale Tag für eine Tour auf die Bliggspitze. Gegen 6:45 Uhr verlassen wir die Hütte und folgen wie bereits am Freitag dem Sexegertenbach und biegen dann zum vorderen Ölgrubenferner ab. Über den Ferner steigen wir etwas anstrengend im tiefen Schnee hinauf bis unterhalb der Bligg-Scharte. Der etwa 40 Grad steile Aufstieg im teilweisen grundlosen Schnee hinauf zur Bligg-Scharte (3210 m) erfordert etwas Aufmerksamkeit, ist aber unkompliziert. Oberhalb der Scharte führt der Aufstieg auf der Nordseite in ein reichlich mit Schnee gefülltes Firnfeld hinauf zum Gipfel. Hier zeigt Benjamin seine Konditionsstärke und spurt souverän nach oben. Um 11:00 Uhr ist die Aussicht sowohl auf die Nordwände als auch auf die Gipfel wie Wildspitze, Brochkogel, Petersenspitze, Taschachwand und Hochvernagtwand noch fantastisch. Nach kurzer Pause beginnen wir mit dem Abstieg und sind gegen 14:00 Uhr wieder am Taschachhaus. Wir verabschieden uns von den Wirtsleuten und steigen dann mir unseren schweren Rucksäcken in Tal ab. Kaum sind wir gegen 16:00 Uhr am Auto, beginnt es auch schon zu regnen. Da haben wir mal wieder richtig Glück mit dem Wetter gehabt. Die vierstündige Heimfahrt ist nach dem erfolgreichen Wochenende sehr kurzweilig.

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