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Montblanc (4810 m) über die Aiguilles Grises

Der Weg zum höchsten Berg der Alpen

Vorgeschichte

Nachdem an unserem ersten geplanten Termin vom 29. Juli - 31. Juli das Wetter zu schlecht für dieses Unternehmen war, wurde die Tour auf den eine Woche später geplanten Ersatztermin verschoben. Zu allem Übel ist nun aber der Aufstieg über die Grand Multes Hütte nicht mehr durchführbar. Die Route ist gesperrt und die Hütte geschlossen. Jetzt war guter Rat teuer. Mit so vielen Personen kurzfristig noch einen Platz auf einer anderen Hütte zu finden ist fast schon ein aussichtsloses Unterfangen.
Dann bekam ich von einem Freund den Tipp von der Refugio Gonella Hütte. Tatsächlich waren hier noch Schlafplätze frei und ich reservierte die benötigten Plätze für die Teilnehmer. Nachdem sich die Route komplett geändert hatte, organisierte ich ein weiteres Treffen am 2. Juli, um die Einzelheiten mit den Teilnehmern zu besprechen. Der Wetterbericht im Vorfeld änderte sich täglich und so blieb das große Rätsel raten - gehen oder nicht gehen. Am Mittwochabend dann die Entscheidung - wir gehen!

6. August 2005

Um 6:00 Uhr in der Früh starten wir von Herrenberg in Richtung Montblanc. Wir kommen zügig voran und haben ein tolles Wetter. In Martigny entscheiden wir uns für den Umweg über den St. Bernhard Pass. Tolle Aussichten entschädigen uns für den etwas weiteren Weg. Auf der Fahrt von Aosta nach Courmayeur liegt dann das komplette Montblanc Massiv vor uns. Es ist immer wieder fantastisch für mich, wie eindrucksvoll diese Grate und Gipfel wirken. Wie verabredet kommen wir kurz nach 14:00 Uhr auf dem Zeltplatz „Aiguille Noire" an, wo die anderen Fahrgemeinschaften bereits warten.
Den Nachmittag verbringen wir mit dem Zeltaufbau und den letzten Vorbereitungen für den morgigen Aufstieg zur Gonella Hütte. Vom Zeltplatz hat man einen herrlichen Ausblick auf den Grat, welcher hinauf zur Aiguille Noire de Peuterey führt. Ich erzähle eine geraume Zeit über meine Erlebnisse an diesem Grat. Im Jahre 1989 erkletterte ich zusammen mit meinem damaligen Partner Hartmut Weber den gesamten Peuterey Grat. Nach wie vor zählt diese Bergtour zu meinen ganz großen Erlebnissen, selbst wenn ich in der Zwischenzeit an über 23 Expeditionen teilgenommen habe. Damals war mir erst im Nachhinein bewusst, welche große Leistung uns gelungen ist. Mit einem ausgedehnten Abendessen lassen wir den Tag ausklingen.

7. August 2005

Gegen 7:00 Uhr in der Früh verlassen wir den Zeltplatz und steigen das liebliche Val Veny mit seinen hellen, lockeren Lärchenwäldern entlang des Baches Doire bis zur Endmoräne des Glacier de Miage auf.
Weiter geht es über die Randmoräne, bis an die Stelle, wo der flache, komplett mit Geröll bedeckter Gletscher, einsehbar ist. Diese karge und einsame Landschaft erinnert mich mehr an das Karakorum, als an dem Montblanc Massiv.
Obwohl der Gletscher relativ flach ist, ist der Aufstieg in dem Geröll anstrengend. Weiter oben ist der wilde Eisabbruch des Glacier de Dome so gewaltig, dass wir eine längere Pause einlegen, um die Eindrücke auf uns wirken zu lassen.
Der letzte Teil des Aufstieges zur Hütte verläuft im ausgesetzten Felsen, der mit mehreren Leitern und Drahtseilen abgesichert ist. Am frühen Nachmittag stehen wir dann vor der sehr exponiert angebrachten Hütte. Es befinden sich nur wenige Bergsteiger auf der Hütte und so ist genügend Platz für unsere Gruppe vorhanden.
Am späten Nachmittag gehe ich zusammen mit den Übungsleitern bis zum Gletscher, um uns den Weg für die Nacht einzuprägen. Leider ist nicht der gesamte Aufstieg bis zum Col des Aiguille Grises, wo wir auf den Grat gelangen, der zum Dom du Goûter hinaufführt, einsehbar. Allerdings sind die ausgedehnten Spaltenzonen nicht gerade beruhigend, wenn man sich vorstellt, dass man hier in der Dunkelheit den Weg finden soll. Um 20:00 Uhr legen wir uns in das Lager, um wenigstens noch ein wenig Schlaf zu finden.

8. August 2005

Um 0:00 Uhr ist wecken angesagt. Zuvor habe ich schon die Regentropfen auf dem Dach der Hütte vernommen und die Begeisterung zum Aufstehen hält sich in Grenzen. Ich gehe zuerst vor die Hütte, um nach dem Wetter zu sehen - Schneefall und nur wenige Meter Sicht. Ich sage mir, vielleicht wird es ja bis zum Aufbruch besser. Der Wetterbericht hat kein schlechtes Wetter vorhergesagt - also muss es sich um ein lokales Wettergeschehen handeln. Wir frühstücken und machen uns dann zum Abmarsch bereit. Als wir vor die Hütte treten, meinen wir einige Sterne zu sehen, und hoffen auf eine schnelle Wetterbesserung. Im Schein der Stirnlampen gehen wir bis zum Gletscher, ziehen die Steigeisen an und formieren uns zu Seilschaften. Ich gehe mit meiner Seilschaft voran, aber es gelingt mir kaum, die Landschaft im Lichtkegel meiner Stirnlampe zu erkennen. Die Neumondnacht und der Schneefall erlauben es kaum mehr wie 20 Meter, zu sehen. Wären nicht spärliche Tritte vom Vortrag, so wäre eine Wegefindung unmöglich. Immer wieder verliere ich die Spur und wir müssen wieder zurück und den richtigen Weg suchen. Dennoch kommen wir sehr gut voran und sind nach 2.5 Std. Aufstieg unterhalb des Col de Aiguille Grises. Bei dieser schlechten Sicht finde ich den Durchstieg auf den Grat einfach nicht. Der Vergleich mit der Karte sagt, wir müssen richtig sein. Bis hier her waren auch eindeutige Spuren vorhanden. Als ich allerdings in den vereisten und schweren Felsen einen Durchstieg suche, zweifle ich an der Richtigkeit der Spur. Es bleibt uns nichts Anderes übrig, als auf die anderen Seilschaften zu warten, damit wir gemeinsam den Weg suchen. Zuerst trifft Karl mit seiner Seilschaft ein. Wir suchen den Weg mit dem am Vortag im GPS eingegebenen Daten, allerdings ohne Erfolg. Nach der Karte und den Daten müsste der Durchgang weiter links sein. Nun trifft ein Bergführer mit seinem Gast ein und meint, dass der Weg weiter links gehen müsste. In der Zwischenzeit kann man das Zähneklappern der Teilnehmer nicht nur sehen, sondern auch hören. Wir beschließen ein Stück abzusteigen und bis Tagesanbruch zu warten, um den Durchstieg zu finden. Tatsächlich ist der Durchstieg nicht links, sondern rechts von uns. Wir sind schon so unterkühlt, dass wir uns zum Abstieg entschließen. Wie sich im Laufe des Tages zeigen wird, ist das die richtige Entscheidung, da keine Wetterbesserung eintritt. Ganz im Gegenteil, es schneit gegen Mittag bis auf 1500 m Höhe hinunter. In der Zwischenzeit ist es hell geworden und wir sehen nun, wie unendlich tief die Spalten sind, an denen wir in der Nacht vorbeigelaufen sind. Gegen 7:00 Uhr sind wir wieder an der Hütte und beratschlagen, ob wir morgen noch einen Versuch starten sollten. Die meisten Teilnehmer können keinen weiteren Tag anhängen und so entschließen wir uns zum Abstieg und zur Rückreise.
In den nassen Felsen ist der Hüttenabstieg mit Bedacht anzugehen. Problemlos erreichen wir den Glacier de Miage und folgen ihm mühsam auf dem Geröll in Richtung Tal. Kaum sind wir im unteren Teil auf der Randmoräne, als ich mir in einem unaufmerksamen Moment den Fuß vertrete. Mir ist sofort klar, dass das bei einem Arztbesuch endet. Aber es dauert nochmals eine Stunde, bis wir beim Auto ankommen. Alle Teilnehmer sind heil angekommen - mir fällt ein Stein vom Herzen. Wir essen gemeinsam noch zu Mittag und fahren dann zurück. Um 23:00 Uhr bin ich zu Hause - ein langer Tag!

Anmerkung: Am Montag war zwar das Wetter erheblich besser, aber bei stürmischem Wind und Temperaturen von -20° am Gipfel, war auch das sicherlich kein Gipfeltag.

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