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Weissmies (4023 m) - Überschreitung

Über den Südostgrat zum Weissmies und Abstieg über den Westgrat

14. JULI 2007

Bei optimalem Wetter sind wir gegen Mittag in Saas Almagell (1670 m) und parken dort unser Auto. Bei herrlichem Wetter steigen wir nach einer Mittagspause über steile und bewaldete Hänge ins Almageller Tal. Hier wir das Gelände offener und die Lenzspitze (4294 m) und das Nadelhorn (4327 m) sind jetzt gut zu sehen. Die ebenmäßige und firnglänzende NO-Wand der Lenzspitze und der Nadelgrat zum Nadelhorn sind mit von einer früheren Tour noch gut im Gedächtnis. Die einladende Sonnenterrasse am Berghotel Almageller Alp (2194 m) lassen wir wohlwissentlich links liegen, da ein Einkehrschwung sich negativ auf die Motivation auswirken kann. Unser heutiges Ziel, die Almageller Hütte, ist jetzt schon im Blickfeld und wir steigen die zahlreichen Kehren die linke Talflanke zum Wysstal empor. Nach knapp zwei Stunden stehen wir vor der Hütte und sind von dem Ambiente begeistert. Ein kleiner See vor der Hütte und eine herrliche Gebirgslandschaft sind die Merkmale, wie man eine Berghütte im Prospekt vermarkten würde. Wir bekommen einen Schlafplatz im Winterraum zugewiesen und sind so etwas vom Hüttenrummel abgekoppelt, der bei einer voll belegten Hütte verständlicherweise nicht zu vermeiden ist. Bis zum Sonnenuntergang verbringen wir die Zeit am See vor der Hütte und warten dann gespannt auf das Abendessen, das in Schichten verabreicht wird. Nach dem reichhaltigen Abendessen und einem Glas Wein gehen wir frühzeitig ins Bett, damit wir morgen fit sind.

15. JULI 2007

Um 4:00 Uhr ist wecken und nach wenigen Minuten sitzen wir beim Frühstück. Wir möchten möglich schnell von der Hütte losgehen. Nach einer halben Stunde stehen wir mit vielen anderen Bergsteigern mit der Stirnlampe vor der Hütte und stolpern kurz darauf im Gänsemarsch hinauf zum Zwischenbergenpass (3268 m). Nach mehreren Überholmanövern können wir uns nach vorne arbeiten und sind dann mit unter den Ersten an der Passhöhe. Zaghaft beginnt es langsam hell zu werden, als wir durch die Felsen der Südostflanke nach oben steigen. Die übliche Traversierung auf der Ostseite unterhalb des schiefrigen Kopfes find ich nicht und stehe plötzlich an einer Stelle, wo wir abseilen müssen. An einem Felskopf gesichert seilen wir eine Steilstufe ab und können dann in dem üblichen Gelände weiter nach oben steigen. Andere Seilschaften umgehen den Felsgrat komplett über das Eisfeld in der Südostflanke, was je nach Bedingungen durchaus überlegenswert sein kann.
Nach mehreren auf und ab in den Felsen und im Firn gelangt man auf den langen, dreieckigen Schneehang der Südostflanke. Wir steigen direkt nach oben, bis wir in ca. 3800 m Höhe die Felsen erreichen. Seilschaften vor uns treten immer wieder Steine los und wir müssen uns hinter Felsen in Sicherheit bringen. Der Felsabschnitt ist ausgesetzt und anhaltend I+ und stellenweise II in dem sehr brüchigen Felsen. Immer wieder donnern Gesteinsbrocken nach unten, die eine große Gefahr für die nachfolgenden Bergsteiger darstellt. Die Felsen verjüngen sich nach und nach, bis sie schließlich auf 3965 m in einem Felskopf enden. Wir sind froh diesen gefährlichen Abschnitt hinter uns zu haben und würden das nächste Mal direkt über den SO-Grat gehen, um der Steinschlaggefahr zu entgehen. Nach einer kurzen Pause setzen wir den Aufstieg auf der flachen Firnschneide fort, die in ihrem Verlauf nur einmal durch flache Felsen unterbrochen wird. Kurz vor dem Gipfel kommt noch eine fantastisch ausgeprägte Firnschneide, die zum Schluss steil am Gipfel endet.
Am Gipfel entfaltet sich ein schöner Fernblick zu den Berner Alpen und zum Monte Leone. Direkt gegenüber im Westen sind alle Viertausender vom Strahlhorn bis zur Mischabelgruppe und der Balfrin nebeneinander aufgereiht.

Der Abstieg vom Gipfel geht über den Südwestgrat unterhalb des Wechtenrandes entlang. Am Ende der Schulter geht es dann nach Norden durch den Eisbruch in Richtung Triftgletscher. Ab hier gehen wir am Seil, da der Gletscher durchaus ernst zu nehmende Spalten hat, die von so einigen Bergsteigen auf dem Normalweg nicht ernst genommen werden. Nach dem Spaltengewirr geht es über die markante Seitenmoräne nach Hohsaas (3200 m). Hier setzten wir uns gemütlich auf die Terrasse und schauen uns das Treiben auf dem „Normalweg" an. Im Anschluss geht es mit der Seilbahn nach Saas-Gund (1559 m) und mit der Bahn zurück nach Saas Almagell.

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